London, heute. Fong Chan ist neunzehn, steht hinter dem Tresen im Chinarestaurant seiner Eltern und hat seit sechs Jahren niemanden mehr angefasst. Denn wenn er es tut, weiß er, was dem anderen fehlt – lange bevor ein Arzt es findet. Als er die Gabe nicht länger verstecken kann, schickt man ihn nach Sichuan, zu einem alten Meister, der mehr über die Hände weiß als jede Klinik. Dann taucht ein Video auf, und plötzlich wollen Menschen von Fong Wunder, die er nicht versprechen kann. Am Ende steht er vor einem Mann, dem niemand die Wahrheit zu sagen wagt. China, 340 vor Christus. Yan, ein Junge vom Fluss, zieht mit einem wandernden Heiler durch die Reiche, die einander bekriegen. Er lernt, den Puls zu lesen, die Haut, die Gefäße, das Mark – und er lernt, dass ein Fürst einen Arzt nicht hören will, wenn die Krankheit noch klein ist. Was Yan sieht, schreibt er auf Bambusstreifen nieder, dreihundertelf an der Zahl. Teile davon gehen ein in das älteste Buch der Chinesischen Medizin. Eines aber verschwindet: die sechzehnte Bahn, eine Leitbahn im Menschen, die keinen Namen hat. Zwei Leben, zweitausenddreihundert Jahre auseinander, in Kapiteln, die einander antworten. Ein Roman über das Tasten und das Wissen, über den Preis einer Gabe, über Liebe, Schuld und den Mut, Mächtigen die Wahrheit zu sagen – und über die Frage, was verloren geht, wenn man es nur tasten kann.
Georg F. Weidinger Ordine dei libri (cronologico)
