1244: Tullner Karner: Dreikönigskapelle
Christliches Auferstehungsprogramm Sonntag Letare – Palmsonntag – Ostersonntag
Erwin Reidinger befasst sich erstmals mit der Orientierung und Datierung des Tullner Karners. Auf Grundlage des geodätisch erfassten Baubestandes gelingt es ihm, durch Bauanalyse und Archäoastronomie verlorenes Wissen zu erschließen. Dadurch wird ein Einblick in die mittelalterliche Gedankenwelt eröffnet, die sich im Bauwerk widerspiegelt. Entsprechend der Funktion des Gebäudes, ist die Auferstehung von den Toten das zentrale Thema des Bauprogramms. Die astronomische Datierung fügt sich lückenlos in die Regierungszeit Herzogs Friedrichs II. ein, der zwei Bauhütten mit der Ausführung beauftragt hat. Tulln ist der dritte Karner nach Hartberg (1167) und Mödling (1181), der vom Verfasser nach bauanalytischen und archäoastronomischen Kriterien veröffentlicht wurde. In allen drei Fällen ist der Ostersonntag, der Tag der Auferstehung, als Orientierungstag im Bauwerk verewigt.

