Bewußtseinstheorien
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Die Philosophin Karen Gloy zeigt in dieser klar geschriebenen, umfassenden Ideengeschichte die Herkunft unserer Bilder und Vorstellungen von der Natur. Sie schildert ihren Wandel im Lauf der Jahrhunderte bis in unsere Zeit. Die Autorin erläutert anschaulich das urzeitlich magisch-mythische, das antike naturwissenschaftliche, das mittelalterlich symbolische, das neuzeitlich mechanistische und das moderne technologische Verständnis der Natur. Die wichtigsten Vertreter einer jeden Zeit und ihre Naturauffassung werden vorgestellt. Platon und Aristoteles, Franz von Assisi und Paracelsus, Kant und Kepler, Heidegger und von Weizäcker kommen zu Wort. Karen Gloys geschlossene Darstellung zeigt kenntnisreich den Wandel der Naturvorstellungen von den mythischen Anfängen bis zu den technischen Allmachtsfantasien der Gegenwart.
Eine Auseinandersetzung mit unserer westlichen Kultur
Das Buch bietet eine tiefgehende Analyse des Begriffs des Bösen, strukturiert in mehrere Kapitel, die verschiedene Aspekte beleuchten. Es beginnt mit dem Versuch, Gut und Böse zu definieren und untersucht deren Verhältnis durch historische Perspektiven wie Dualismus und empirische Ambivalenz. Weitere Themen sind die Rolle von Aggression, genetischen und umweltbedingten Einflüssen sowie die Diskussion über absolute versus relative Ethik. Zudem wird das Böse als faszinierendes Konzept betrachtet und die Auswirkungen ästhetischer Hässlichkeit auf das ethische Verhalten thematisiert.
Solidarität ist die unverzichtbare Grundlage jeder Gesellschaft. In Notzeiten rücken die Menschen enger zusammen, während in Überflussgesellschaften jeder seinen eigenen Weg geht mit Insistenz auf seine Eigenständigkeit und seinen Eigeninteressen und Gemeinsinn eher zurückstellt. Beide: Solidarität wie Individualität gehören in einem ausgeglichenen Verhältnis zusammen. Das Buch analysiert die verschiedenen Formen der Beziehung zwischen Ich und Du, Person und Gesellschaft. Es geht aus von der historisch ursprünglichen Indifferenz beider Instanzen in Wir-Gesellschaften und in anderen Bereichen und geht über zu den übertriebenen Formen der Aufopferung der einen Seite, des Ich, für die Anderen bis zu den moderaten, ausgeglichenen Verhältnissen zwischen Ich und Du in den Beziehungen von Liebe, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Freundschaft, Solidarität schlechthin. Das Buch stellt damit das Pendant zu dem bei K&N erschienenen Band Formen der Machtausübung dar, in dem die Übertreibungen des Ich und der Individualität thematisiert werden.
Karen Gloy, eine angesehene Professorin für Philosophie in Luzern, präsentiert in diesem Werk die bedeutendsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Der Leser wird auf niveauvolle, aber verständliche Weise mit zentralen Denkern und grundlegenden Fragen der zeitgenössischen Philosophie vertraut gemacht. Gloy argumentiert, dass die aktuellen ökologischen und biotechnologischen Entwicklungen ein neues Interesse an der Philosophie und ihrer Interpretationsfähigkeit geweckt haben. Die großen philosophischen Fragen sind relevanter denn je. Das Buch gliedert sich in mehrere Abschnitte, die verschiedene philosophische Ansätze und deren Entwicklungen beleuchten. Es beginnt mit der Rolle der Philosophie in der Gegenwart und deren Funktionen. Darauf folgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Phänomenologie, dem Existentialismus und der Sinnesphänomenologie, gefolgt von einer Untersuchung der Hermeneutik und der sprachanalytischen Philosophie. Zusätzlich werden die Merkmale der Postmoderne, die Differenzphilosophie, die Systemtheorie, der Konstruktivismus und der radikale epistemische Konstruktivismus behandelt. Schließlich wird der Holismus in verschiedenen wissenschaftlichen und ethischen Kontexten betrachtet. Das Buch schließt mit einem umfassenden Literaturverzeichnis und einem Sachverzeichnis, das dem Leser als wertvolle Ressource dient.
Gegen die Philosophie alteuropäischen Typs wird immer wieder der Vorwurf des Logozentrismus erhoben, der das Andere des Logos, Sinnlichkeit, Phantasie, Emotionalität, Leiblichkeit ausschließt und als Logiksystem selbst einseitig ist. Ausgehend von diesem Vorwurf verfolgt das Buch die zentralen Entwicklungslinien der Philosophiegeschichte und den Wandel der metaphysischen, erkenntnistheoretischen, ethischen und ästhetischen Systeme mit Bezug zu Wittgenstein, Goodman, Saussure, Schelling, Hegel, Adorno und Derrida. Gloy entwirft auf der Basis der Annahme einer Systempluralität ein neues, umfassenderes Konzept der Philosophie – das analogische Denken. Sie stellt die provokante These auf, dass Philosophie in der schöpferischen Potenz und Kreativität der Kunst fundiert und als logisch disziplinierte Form des Argumentierens eine Form der Kunst sei.
Seit mehr als 2000 Jahren hat sich die Philosophie und Geistesgeschichte in Absetzung von dem teils unzugänglichen Übersinnlichen, teils indifferenten, diffusen Sinnlichen, Triebhaften, Natürlichen dem Programm der Einheit der Vernunft verschrieben. Damit hat sie den Logozentrismus des Abendlandes begründet, der in der Vernunft ein begründendes Denken sieht, das im Klassifikationssystem der Wissenschaften gipfelt. Erst die Postmoderne hat an die Stelle der einen Vernunft eine Pluralität von Vernunfttypen gesetzt, ohne diese jedoch zu definieren. Das Buch analysiert erstmals in der Geschichte verschiedene Denkformen, die zu unterschiedlichen Weltbildern führen: neben dem klassifikatorischen Typ, der für das mathematisch-naturwissenschaftliche Denken charakteristisch ist, die sumerische Listenmethode, das dialektische Denken und das analogische, das das neue Paradigma der Welterklärung zu werden verspricht.
Das Buch diskutiert verschiedene Machtformen und -ausübungen, angefangen von der radikalsten und brutalsten, der Destruktion und Einverleibung, wie sie nicht nur im russischen Ukraine-Krieg vorgekommen sein soll, sondern bereits in einem der frühsten Pyramidentexte geschildert wird, über moderatere Formen wie das gegenseitige Ringen um Vormacht, sei es im sportlichen Wettkampf, in der Politik oder in der Wirtschaft, bis hin zur Macht der Sprache, die aufputschend wie beruhigend sein kann. Das Buch schließt mit einer Analyse unserer Erkenntnis, sofern sie als Konstruktivismus im Gegensatz zum Realismus verstanden wird und weitgehende erkenntnistheoretische Eingriffe in die Welt vornimmt gemäß den kulturellen Erkenntnisbedingungen. Die Paradoxie besteht darin, dass die natürlichen Machtverhältnisse zugleich die Grundlage unserer kulturellen Errungenschaften von Erkenntnis, Wissen und Wissenschaft bilden, welche die natürlichen Machtverhältnisse im erkenntnistheoretischen Konstruktivismus zum Verschwinden bringen.
Bis heute ist es nicht gelungen, die vielfältigen Aspekte der Zeit: Lage- und Modalzeit, das Problem Zeit und Ewigkeit, den Augenblick als Grenze und als nunc stans (Epiphanie der ewigen Gegenwart), die Tempora und Aktionsarten, die Erlebniszeit, die Handlungszeit, die wissenschaftlich-mentale, mathematische Zeit, die qualitative, die quantitative Zeit usw. in einer einheitlichen Theorie zusammenzubringen, ganz zu schweigen von den Zeitvorstellungen der diversen Gebiete, der Psychologie, Physik, Religion usw. In diesem Buch werden die heterogenen Konzepte der Zeit mit ihren wesentlichen Grundzügen herausgearbeitet und in einem Stufen- bzw. Schichtenmodell miteinander verbunden, angefangen von der subjektiven Erlebniszeit, wie sie im Alltag und auch in der Mystik als Dehnungsphänomen und relative Dauer begegnet, über die strukturierte Handlungszeit, die es mit Zeitgestalten (eschatologischer, oszillierender und zyklischer Form) zu tun hat, bis hin zur mathematisch homogenisierten, kontinuierlichen, unendlichen Zeit und zur suprarationalen, wie sie der Quantenphysik als einer komplementären Theorie zugrundeliegend gedacht werden muß.
Angesichts der zunehmenden Globalisierung rücken Länder, Völker und ihre Kulturen immer näher zusammen, so dass wir auch Kulturen begegnen wie den Stammeskulturen auf Neuguinea, in Ozeanien und im Amazonas, die sich fundamental von unserer unterscheiden, sei es, dass sie auf dem Niveau des Neolithikums stehengeblieben sind, sei es, dass sie einer technisch »primitiveren« Stufe angehören. Wir stehen dann vor der Frage, ob wir diesen Völkern unsere westlichen Errungenschaften aufoktroyieren sollen, wie Missionare dies tun, oder ob wir sie in ihrer Andersheit verstehen und schätzen lernen sollen. Die andersartigen Denk- und Verhaltensweisen vermögen, was Kognition (Logik), Sensitivität, Sozialverhalten betrifft, auch ein Licht auf unsere Kultur mit ihrer so hochgelobten Wissenschaft und Philosophie zu werfen und zu zeigen, dass auch diese Denkmuster keine Universalien, sondern kulturspezifische Konstrukte sind, die nichts mit Wahrheitsfindung, allenfalls mit Orientierung zu tun haben. Das Buch vergleicht diverse Kulturen auf verschiedenen Stufen: des Denkens und der Sprache, der Sensitivität und Emotionalität, des gesellschaftlichen Verhaltens, der Materialität und ermöglicht so letztlich eine Metareflexion auf unsere kulturellen Eigenarten, die von einem rein empirischen Standpunkt wegen des Immanentismusvorwurfs nicht geleistet werden kann. Die Forschungsrichtung ist eine Novität.
Die Philosophin Karen Gloy geht in diesem umfangreichen Werk den ideengeschichtlichen Vorbildern unseres heutigen Naturverständnisses nach und zeigt die Alternative zum exakten, mathematisch-naturwissenschaftlichen Denken auf. Das holistische, das organologische, das ökologische, das ganzheitliche Denken stehen im Mittelpunkt dieser umfassenden Untersuchung. Die Autorin beschreibt den Spaltungsprozess des zuvor einheitlichen naturphilosophisch-naturwissenschaftlichen Denkens in der Renaissance. Exakte Disziplinen wie Chemie oder Astronomie bilden sich neben Magie und Alchimie. Leibniz‘ Monadologie, die Naturphilosophie des deutschen Idealismus und der Romantik, der begriffliche Zugang zur All-Einheit der Natur bei Schelling, der emotionale bei Novalis, der ästethische bei Hölderlin und Vitalismus, Holismus und Ökologie im 20. Jahrhundert werden verständlich und nachvollziehbar erläutert. Karen Gloys kenntnisreiche Darstellung ist bislang einzigartig in der Geschichte des ganzheitlichen Denkens.