Nach der Umstellung des analogen auf das digitale Fernsehen entdeckte Luca Schenardi beim Teletext rätselhafte Satzkombinationen. Viele Headlines verschiedener Sender waren nach dem technischen Umbruch durcheinandergeraten und neu zusammengesetzt worden. Im Jahr 2015 stieß er auf eine Meldung über Pegida-Demonstrationen in Dresden, die ihn zum Dokumentieren anregte. Schenardi begann, täglich Teletextinhalte zu durchforsten und zu fotografieren. Getrieben von Sammelwut transkribierte er die fehlerhaften Zeilen in selbstgebastelte A5-Hefte und illustrierte sie skizzenhaft. Bis heute sind zwanzig Hefte mit etwa achthundert Seiten entstanden. Diese Transkriptionen, die oft verblüffende Wahrheiten vermitteln, verstricken sich in Absurditäten und versuchen, das von Krieg und Elend geprägte Weltgeschehen neu zu erzählen. Die Nähe zu den ernst gemeinten, jedoch absurden Zeitungsschlagzeilen ist frappierend. In einem kreativen Spiel mit Sprache und Form präsentiert Schenardi seine Werke, die wie Wespen getarnte Schwebfliegen in den Infotainment-Dschungel hinausgelangen. Das Buch zeigt eine Auswahl aus diesem einzigartigen Werk. Luca Schenardi, geboren 1978, ist freischaffender Illustrator und Künstler und lebt in Altdorf. 2012 veröffentlichte er ein Künstlerbuch in der Edition Patrick Frey.
Luca Schenardi Libri




An Vogelhäusern mangelt es jedoch nicht vereint ornithologisches Fachwissen mit subjektiver Empfindung, geschaffen aus Dringlichkeit und Leidenschaft. Das Künstlerbuch kombiniert Zeichnungen, Computerillustrationen, Fotografien und eigene Vogelporträts. Im Mittelpunkt steht die komplexe Beziehung des Menschen zur Natur, insbesondere zu Vögeln, die kulturell prägend sind und in ihrer Vielfalt einzigartig. Das Werk basiert auf dem dokumentierten Rückgang vieler Vogelarten in der Schweiz: Über 40 Prozent der Brutvogelarten stehen auf der Roten Liste, 12 Prozent sind potenziell gefährdet. Trotz gezielter Maßnahmen bleibt die Zukunft düster. Studien zeigen, dass ortstypische Brutvogelarten nach dem Übertritt in die Schweiz im Vergleich zum Ausland stark abnehmen, was nicht ins Bild einer 'schönen Schweiz' passt. Luca Schenardi beleuchtet die unerforschten Zusammenhänge zwischen menschlichem Wirken und dem Niedergang der Natur mit seiner subjektiven Bildsprache. Er entlarvt den Zustand des Landes anhand der Vögel als Indikatoren für die menschliche Lebensweise. Ähnlich wie Vögel, die empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren, fühlt sich Schenardi durch die Verdichtung seines Lebensraums und die Dominanz der Marktwirtschaft bedrängt. Sein künstlerischer Ausdruck ist geprägt von Gesellschaftskritik, Zynismus, Wut und Wehmut, wobei eine skurril-humoristische Komponente den Kulturpessimismus umgeht.
"Der Titel seines Werks, D.I.J.D.S.D. - Das ist ja das Schöne daran, ist eine ironisch-zynische Anspielung auf das Kürzel "DSDS" einer entbehrlichen deutschen Reality-Show. In seinen Bildern, die sowohl zeit- als auch fundamentalkritisch zu verstehen und zu lesen sind, seziert und demaskiert Schenardi die ihn umgebende und beeinflussende Lebenswelt Schicht um Schicht. Was dabei herauskommt, ist eine eigentümliche, zum Nachdenken anregende Sicht auf die "Normalität", die von Skurrilität, Absurdität und der Groteske geprägt ist." (buecher.de)