Das Wissenschaftsbarometer 2022, Erhebung und Analyse, steht im Mittelpunkt dieses Beitrags. Dabei werden die zentralen Fragestellungen vorgestellt, die Stichprobe und die zentralen empirischen und inhaltlichen Ergebnisse. Vorweg: Das Wissenschaftsbarometer basiert auf einer Online- und Telefonbefragung von rund 1.500 Personen, die Stichprobe ist repräsentativ für die in Österreich lebende Wohnbevölkerung und wurde in der zweiten Novemberhälfte 2022 durchgeführt. Sie ist derzeit die aktuellste und umfassendste Erhebung in diesem Bereich. Konzipiert als Pilotstudie, soll sie in weiterer Folge regelmäßig stattfinden Heinz Faßmann studierte Geografie sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 1992 wurde er Direktor des ÖAW-Instituts für Stadt- und Regionalforschung und 1996 C4-Professor an der Technischen Universität München. Ab 2000 war Faßmann Professor an der Universität Wien, 2011 wurde er Vizerektor. Von Dezember 2017 bis Juni 2019 und von Jänner 2020 bis Dezember 2021 war er Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Seit Juli 2022 ist Faßmann Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
O. sterreichische Akademie der Wissenschaften Ordine dei libri (cronologico)


Einheit oder Vielheit
Über Methode und Gegenstand in der Geschichte und Philosophie der Wissenschaften
Die gesammelten Vorträge bieten einen spannenden Überblick über die Politikberatung durch die Wissenschaft, die oft kritisch betrachtet wird. Während die Wissenschaft über nicht wissenschaftliche Werte kein Urteil fällen kann, muss die Politik sich an solchen Werten orientieren. Zudem wird die verbreitete Ansicht thematisiert, dass Natur- und Geisteswissenschaften unterschiedliche Wissenskulturen repräsentieren, was der tatsächlichen Vorgehensweise der Wissenschaften nicht gerecht wird. Historisch gab es andere, zutreffendere Einteilungen. Die Methodendebatten in Ökonomie, Rechts- und Geschichtswissenschaft sowie Soziologie werden behandelt, ebenso die Rolle der Digital Humanities für die Einheit der Wissenschaften. Ein Forschungsprogramm am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, das sich „Computational History of Knowledge“ nennt, wird erwähnt. Außerdem wird das negative Bild des Positivismus, das im 19. und 20. Jahrhundert entstand, durch die Rückbesinnung auf Auguste Comte, den Begründer des Positivismus, korrigiert. Eine Fallstudie beleuchtet das Verhältnis von Positivismus und Phänomenologie anhand der Soziologen Felix Kaufmann und Alfred Schütz. Schließlich wird die Stellung der Psychoanalyse als Spezialwissenschaft nach Sigmund Freud sowie die philosophischen Ansichten der österreichischen Philosophen Alois Riehl und Friedrich Jodl untersucht.