Die Judaica-Sammlungen in Österreich reflektieren eine komplexe Beziehung zwischen jüdischer Identität und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Sie zeigen sowohl Aspekte der jüdisch-religiösen Praxis als auch künstlerische Werke, die Selbstbewusstsein und Identität verkörpern. Gleichzeitig dokumentieren sie die Wahrnehmung durch die Mehrheitsgesellschaft. Die Schicksale dieser Sammlungen nach 1938, insbesondere im Kontext des Holocaust, prägen die heutige Rezeption und bieten einen wichtigen zeitgeschichtlichen Blickwinkel auf die Bestände.
Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Jüdischen Museen
Jüdische Museen sind nicht nur Vermittler jüdischer Kultur und Geschichte, sondern auch entscheidend für die Definition dessen, was „jüdisch“ ist. Paul Grosz, der damalige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, stellte einst die provokante Frage, ob Jüdinnen und Juden in einem solchen Museum „wie ausgestopfte Indianer“ betrachtet werden sollten. Weltweit gibt es über 120 Jüdische Museen, doch die Definition des Begriffs „jüdisch“ variiert: Für einige ist die Institution selbst jüdisch, während andere das Judentum aus vielfältigen Perspektiven betrachten. Diese unterschiedlichen Definitionen beeinflussen maßgeblich die Inhalte und Praktiken der Museen und die öffentliche Wahrnehmung des „Jüdischen“. Die Beiträge des Bandes, verfasst von renommierten Wissenschaftler:innen und Kurator:innen, beleuchten die (Re-)Präsentation von Jüdinnen und Juden im Museum aus verschiedenen Blickwinkeln. Sie untersuchen die Geschichte und Gegenwart der Institution „Jüdisches Museum“, ihre Sammlungen und Kanon, und reflektieren die drängende Frage nach ihrer zukünftigen gesellschaftlichen Rolle. Der Band erscheint anlässlich einer Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems in Kooperation mit dem Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Dresden und Herrnhut.
Hardcover (no jacket) in very good condition. German and English text. Minor fading to the boards and spine. Slight nick on the spine head. Pages are clean and sound; all content is clear. CM