Übergang zum Sozialismus in der DDR
Entwicklungslinien und Probleme der Geschichte der DDR in der Endphase der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus und beim umfassenden sozialistischen Aufbau (1958-1963)






Entwicklungslinien und Probleme der Geschichte der DDR in der Endphase der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus und beim umfassenden sozialistischen Aufbau (1958-1963)
Im vorliegenden zweiten Band, dem letzten Teil seiner umfassenden Arbeit über die Entwicklung der Intellektuellen in den Gründungsdekaden der DDR, muss sich Siegfried Prokop mit den besonderen Bruchjahren, 1956 und 1961 auseinandersetzen. Beide Male stand die Welt vor einem Atomkrieg. Dass diese Brisanz für das Leben in der DDR nicht ohne Folgen bleiben konnte, zeigte spätestens der Mauerbau 1961. Wie die Intellektuellen damit umgingen, ob und wie der Kulturbund sich wandelte, weil der Aufbau und die weitere Entwicklung des Sozialismus in der DDR beschlossene Sache war, zeigt dieser Band auch.
Siegfried Prokop beschäftigt sich in diesem Band mit einem besonderen Aspekt der Geschichte des Kulturbundes, seinem Verhältnis zu den Intellektuellen. Wies Bernhard Kellermann auf der Gründungsversammlung am 3. Juni 1945 dem Kulturbund die Rolle eines „geistigen und kulturellen Parlaments“ zu, so bemühte sich der Kulturbund, ein Ort der Begegnung und des Dialogs zu werden und war dabei offen für Anregungen von außen. Dass der Beginn des Kalten Krieges vor allem zu einer Zäsur auch der geistigen Auseinandersetzung innerhalb der Intellektuellen Deutschlands führte, dürfte mit zu dem schmerzlichen Prozess der Vereinnahmung des Kulturbundes durch die führende Partei in der SBZ/DDR, die SED, beigetragen haben. Dabei wurde die Gründung der DDR von großen Teilen der Intelligenz bejaht, unter der Perspektive der baldigen Wiedervereinigung Deutschlands, was Stefan Heym trefflich auf den Punkt brachte: „Man darf nicht vergessen, dass die DDR in jener Zeit noch attraktiv war, und nicht nur für ausgesprochene Kommunisten; Linke der verschiedensten Schattierungen fühlten sich von ihr angezogen, Intellektuelle besonders; hier im Gegensatz zu der von den Amerikanern im Verbund mit recht zweifelhaften deutschen Gestalten verwalteten Bundesrepublik“. Dass die DDR-Führung ihr besonderes Verhältnis zur Intelligenz zu definieren suchte und auch wandelte, gibt diesem Band eine besondere Würze.
Fragmente zur politischen Geschichte des "Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands"
„Kinder singen deutsch, Mütter sprechen deutsch. Ich bin überglücklich (.) Inmitten all der Ruinen ist doch unser Leben, unsere Heimat“, äußerte Johannes R. Becher 1945 nach seiner Rückkehr aus dem Exil. Im Juni desselben Jahres war Becher Mitbegründer des Kulturbundes, der als „einzige geistige Erneuerungsbewegung“ in Deutschland galt. Sein sowjetisches Exil und die Erfahrungen der Stalin’schen Säuberungen prägten ihn stark. Der Kulturbund verstand sich zunächst als Sammelbecken demokratischer Kräfte, geriet jedoch zunehmend in die Konflikte des Kalten Krieges. Becher, ein Kommunist, konnte den Avancen der SED nicht widerstehen, was viele seiner Mitstreiter entfremdete. Trotz dieser Herausforderungen spielte er eine differenzierte Rolle als DDR-Kulturminister und Präsident des Kulturbundes. Hans Mayer bezeichnete ihn als „Glücksfall“, während Norman M. Naimark feststellte, dass Becher versuchte, den Bund von der Partei unabhängig zu halten und eine inklusive Identität zu schaffen. Vor 1948 war dies möglich, doch später wurde Becher als „Kaisergeburtstagsdichter“ kritisiert. Die Ereignisse des Herbstes 1956 führten zu seinem Zerbruch. Luise Rinser bemerkte 1951: „Du bist zwar ein berühmter Mann, aber Du hast keine Macht“, was Bechers tragische Situation treffend zusammenfasste.
Das Wolfgang Harich-Gedenk-Kolloquium am 21. März 1996 im Ribbeck-Haus zu Berlin (Weisse Reihe)