"Jeder Staat wird auf Gewalt gegründet." Dieses Zitat von Leo Trotzki verdeutlicht den normativen Charakter kommunistischer Herrschaft und deren Expansion. Mit der Machtergreifung der Bolschewisten im Oktober 1917 wurde das Russische Zarenreich in eine kommunistische Ein-Parteien-Diktatur verwandelt, was auch Europa grundlegend veränderte. Anlässlich des 100. Jahrestages des Oktoberputsches organisierte die Technische Universität Chemnitz eine Konferenz, die interdisziplinär die Ereignisse von 1917 und deren Bedeutung für post-sowjetische und europäische Gesellschaften behandelte. Die Beiträge thematisieren nicht nur das Revolutionsgeschehen, sondern auch die Verantwortung von Lenin und Stalin für die bolschewistischen Verbrechen. Ein zentrales Ergebnis der Diskussion ist die Erkenntnis eines schleppenden interkulturellen Dialogs über die bolschewistischen Massenmorde. Trotz unterschiedlicher Interpretationen des Revolutionsgeschehens bleibt festzustellen: 1917 war eine Weltwende. Der Band umfasst verschiedene Perspektiven, darunter ideologische Grundlagen, die Rolle von Terror und Gewalt sowie aktuelle Herausforderungen im Umgang mit der Geschichte. Themen wie die Kanonisierung von Neumärtyrern in der Russisch-Orthodoxen Kirche und die Erforschung von Ermittlungsakten werden ebenfalls behandelt. Die Autoren bieten tiefere Einblicke in die komplexen Zusammenhänge von Revolution, Ideologie und deren langfristigen Auswirkungen
Hendrik Hansen Ordine dei libri


- 2021
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Erinnerungskultur in Mittel- und Osteuropa
Die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Kommunismus im Vergleich
Die angemessene Form des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus und des Kommunismus ist weiterhin Gegenstand kontroverser politischer Auseinandersetzungen. Dabei gibt es zwischen Deutschland und den Staaten Ostmitteleuropas erhebliche Unterschiede. Sie beziehen sich zum einen auf die Frage, in welchem Verhaltnis die beiden Totalitarismen zueinander stehen; zum anderen auf die Art und Weise, wie die Erinnerung an das Leiden unter dem Nationalsozialismus bzw. dem Kommunismus sowie die Erinnerung an den Widerstand gegen die Diktaturen konstituierend geworden sind fur das jeweilige Selbstverstandnis der Nation. Die Beitrage des Bandes analysieren und vergleichen die vielfaltigen Formen des Erinnerns in u. a. Ost- und West-Deutschland, Polen und Ungarn. Eine zentrale Frage, die sich durch den Band zieht, ist diejenige, ob es jenseits der nationalen Erinnerungskulturen (und der Gefahr ihrer Instrumentalisierung im politischen Prozess) ein gemeinsames Erinnern an die totalitare Erfahrung des 20. Jahrhunderts gibt, das Grundlage einer transnationalen europaischen Erinnerungskultur sein kann.