Viele Menschen wissen heute von den jüdischen und politischen Opfern des Nationalsozialismus, eventuell auch von der NS-Verfolgung der Homosexuellen sowie der Sinti und Roma. Weithin unbekannt ist aber die sozialrassistische Verfolgung derer, die die Nationalsozialisten für genetisch verdorbene und deshalb »auszumerzende« Menschen, für »Asoziale« und »Berufsverbrecher« hielten und sie deshalb als Häftlinge mit dem grünen oder schwarzen Winkel, einem Stoffdreieck auf der linken Brustseite der gestreiften Häftlingskleidung, in die Konzentrationslager sperrten. Dieses Buch beschreibt nicht nur eindringlich die historischen und politischen Hintergründe sowie die Verfolgung dieser Menschen im Nationalsozialismus, sondern stellt auch dar, warum sie in der Bundesrepublik Deutschland jahrzehntelang von jeder moralischen und rechtlichen Anerkennung ausgeschlossen wurden – bis der Deutsche Bundestag sie 2020 mit 70jähriger Verspätung als Verfolgte des Nationalsozialismus anerkannte. In bewegenden Darstellungen von mehr als zwanzig Nachkommen, die die Geschichte ihres jeweiligen Vorfahren erzählen, werden erstmals in der erinnerungskulturellen Publikationsgeschichte die Biografien einzelner Verfolgter vorgestellt – es zeigt sich, wie das Trauma der verleugneten Opfer bis heute in den Familien wirkt.
Frank Nonnenmacher Libri



Politisches Handeln von Schülern
- 169pagine
- 6 ore di lettura
Die Nazis nannten sie »Asoziale« und »Berufsverbrecher« Band 11123
Verfolgungsgeschichten im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik
Die Nazis nannten sie »Asoziale« und »Berufsverbrecher« Unter dem Vorwand sozialer Devianz wurden in der NS-Zeit mehrere zehntausend Menschen entrechtet, verfolgt, teils zwangssterilisiert, in Heime oder „psychiatrische Anstalten" verschleppt, viele auch in Konzentrationslager. Dort wurden sie mit dem grünen oder schwarzen Winkel, einem Stoffdreieck auf der linken Brustseite der Häftlingskleidung, als,,Asoziale" oder „Berufskriminelle" stigmatisiert und vielfach ermordet. Frank Nonnenmacher, dessen Onkel dieser weithin verleugneten Opfer-gruppe angehörte, hat gemeinsam mit Nachfahren mehr als zwanzig biografische Skizzen vermeintlich „Asozialer“ und „Berufskrimineller" zusammengetragen. Die Porträts beleuchten vor dem politischen und historischen Hintergrund die Umstände der Verfolgung. Sie schauen aber auch auf die schmerzlichen Erfahrungen für die Überlebenden und ihre Nachfahren. In einer Gesellschaft, die sich nur widerstrebend ihrer Verantwortung stellte, seien vor allem den Überlebenden sozial-rassistischer Verfolgung vielfach Vorbehalte, Ablehnung, gar Verachtung entgegengeschlagen, soweit sie aus Angst vor anhaltender Ausgrenzung nicht ohnehin lebenslang über das Erfahrene geschwiegen hätten. So versteht sich das Buch zugleich als Mahnung, diese Leidtragenden nationalsozialistischen Unrechts stärker in das öffentliche Bewusstsein einzubeziehen.