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Müssen wir alles glauben, was man uns erzählt?

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Welche aktuelle Relevanz kann die Auseinandersetzung mit historischen Kunstwerken bieten? Manfred Riesel gibt in seinen «Kritischen Betrachtungen zu Darstellungen in der Kunst - Sein und Schein» darauf eine überzeugende Antwort. In der vorherrschenden kunstwissenschaftlichen Formanalytik wird der Zusammenhang von Person, Zeit und Werk oft ausgeblendet, insbesondere das wirtschaftspolitische Umfeld. Riesel bemüht sich um eine Rekonstruktion der Inhaltsanalyse von Kunstwerken, basierend auf dem ästhetischen Prinzip, dass Schönheit ohne Wahrhaftigkeit nicht existiert. Er erklärt Kunstwerke im Kontext ihrer historischen, biographischen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen und reflektiert, wie Künstler ihre persönliche Bewusstseinslage und Motivation aus ihrem gesellschaftlichen Sein ableiten. Riesel kritisiert die bedingungslose Bewunderung von Künstlern, die deren ethische Zweifel ignoriert. Er untersucht die wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten der Kunstschaffenden und kommt zu oft schmerzhaften Erkenntnissen über die vermeintlichen Lichtgestalten der Kunstgeschichte. Besonders Albrecht Altdorfer wird einer Neubewertung unterzogen, da er sich aktiv an der Verfolgung von Täufern und Juden beteiligte. Riesel zeigt die Wurzeln der Diskriminierung von Frauen und Minderheiten auf und kritisiert die affirmative Haltung des «Beschweigens». Sein Werk ist eine Dekonstruktion der demutsvollen Verehrung großer Künstler

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Müssen wir alles glauben, was man uns erzählt?, Manfred Riesel

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1998
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